Ötztal Tourismus

„Leute gehen aus Städten raus, weil sie Platz suchen“

Ötztal Sommer

29.05.2020

Wie gewinnt man das Vertrauen von Kunden in Corona-Zeiten? Warum können ländliche Regionen im Gegensatz zur Stadthotellerie profitieren? Und welche Chancen gibt es für neue Produkt-Innovationen? Christian Laesser, Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, gibt Prognosen über künftige Entwicklungen.

Sie bezeichnen den Faktor Vertrauen als Must-Have. Welche Maßnahmen müssen Touristiker jetzt setzen, um sich dieses kostbare Gut zu verdienen?


Es ist nun essentiell, die Hygiene- und Abstandsvorschriften zu gewährleisten, damit Gäste das Urvertrauen haben, dass sie in meinem Hotel bzw. meiner Region sicher sind. Dies ist natürlich auch im Sinne des jeweiligen Unternehmers insbesondere vor dem Hintergrund möglicher Haftungsfragen. Das Etablieren von Gütesiegeln in diesem Bereich erachte ich nur dann als sinnvoll, wenn es dem Betrieb hilft eine Systematik in die Erfüllung aller Hygienerichtlinien zu bringen.

Ergeben sich für den alpinen Tourismus besondere Chancen? Durch die Möglichkeit in den Bergen die propagierten Abstandsregeln einhalten zu können?


In hochverdichteten Städten fällt das natürlich schwerer als in alpinen Gebieten, wo ich pro Person mehr Raum habe. Während Hotels mit ihrem Zimmerangebot nicht an ihre Grenzen stoßen, wird es woanders zu Limits aufgrund der Kapazität kommen. Das können Bergrestaurants oder gewisse Naturattraktionen sein. Hier gilt es beispielsweise mittels Reservierungssystemen lange Schlangen zu verhindern, da eben auch das Anstehen ungewollte Nähe schafft.
 

Sehen Sie ländliche Destinationen im Vorteil? Wie groß ist die Lust der Menschen aus ihren urbanen Räumen wieder raus zu kommen?


Die Leute gehen aus den Städten raus, auch weil sie Platz suchen. Außerdem leiden die Städte darunter, dass viele Kulturangebote, da diese meistens in geschlossenen Räumen stattfinden, nicht verfügbar sind. In unseren alpinen Tourismusregionen ist die Natur gegeben. Dass diese zugemacht wird, ist eher unwahrscheinlich. Somit können Gäste vom vollen Angebot profitieren.
 

Erwarten Sie eine starke Veränderung des Reiseverhaltes der Schweizer Gäste?


Es könnte kurzfristig eine gewisse Zurückhaltung bei den Schweizer Touristen geben. Zum einen in Sachen Gesundheitsrisiko, im anderen Fall sind es die wirtschaftlichen Entwicklungen. Bei uns ist der Kündigungsschutz nicht so stark wie in anderen Ländern. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sich im längerfristigen Verhalten nicht viel ändert. Urlaubsreisen sind für viele Menschen mittlerweile ein gewohntes Ritual, das Bestand hat.
 

Müssen Organisationen für Destinationsmarketing nun neue Rollen einnehmen und etwa dafür Sorge tragen, dass der Bereich „Public Health“ ordentlich aufgestellt ist?


In Bezug auf die Pandemie würde ich das eher übergeordneten, nationalen Stellen überlassen. Gesundheit ist nicht ortsgebunden, deshalb sind auf regionaler Ebene hier nur bedingt Skaleneffekte zu erzielen. Wenn eine Region etwas machen will, dann sollte sie passende Produkte und Gesundheitsangebote entwickeln, wie etwa für gestresste Paare nach dem Arrest.

Zur Person: Christian Laesser

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