Mit kraftvollen, gezielten Schritten laufe ich bergan. Hoch durch die satten Wiesen Niederthais, lasse ich zügig die dichten Nadelwälder hinter mir. Trails so vielfältig und abwechslungsreich, wie die Natur um mich herum – das motiviert mich das Tempo über die flowigen Trails zu steigern. Die Zeit verläuft wie im Flug und immer wieder entdecke ich neue Pfade und Möglichkeiten vor mir.

Es wird später Nachmittag und dichter Nebel zieht über die Gipfel in Richtung Osten. Vorbei am Gipfelkreuz des Narrenkogel gibt mir der Berg einen Moment, um durchzuatmen. Das Gelände wird flacher und erinnert mich fast an schottische Highlands.

Während sich in meinem Augenwinkel der mächtige Strahlkogel aufbaut, behalte ich meinen Fokus auf die wenigen Meter vor mir. Mein Herz pocht. Ich spüre die frische, kühle Bergluft in meiner Lunge und die Energie, die sie mir gibt.

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Das Gelände wird anspruchsvoll, technisch und herausfordernd. „Genau meins!“, denke ich. Ich spüre, wie die Sonne sich in meinem Rücken zwischen den Wolken dem Horizont nähert.

Aufmerksam und voll fokussiert folge ich den ausgesetzten Graten zum einsamen und weglosen Gipfel des Gruegrat. Ich erreiche den Gipfel und blicke um mich, während die Sonne hinter den westlichsten Ötztaler Alpen verschwindet und die massive Bergwelt in ein tiefrotes Abendlicht taucht. „Tirol in Hochform“, so wurde es mir in der Einladung zum Trainingslager versprochen ­– treffender könnte man dieses Gefühl, das sich im selben Moment in mir aufbaut, kaum beschreiben. Gänsehaut pur.

Mein Blick folgt dem Talverlauf unter mir: idyllische und liebliche Trails eröffnen sich mir im vorderen Teil des Ötztals, während im hinteren Teil mächtige Gletschergipfel mit technischen Trails warten. Ein Paradies für Trailrunner – egal welchem Level man angehört. In der Vielfalt des Ötztals, kommt jeder auf seine Kosten: Egal ob Vertikalspezialist oder Ultraläufer, Genussläufer oder Athlet:

Der Wind frischt auf und im Tal funkeln die ersten Straßenlaternen. Zeit, um in Richtung Tal aufzubrechen. Und während ich mich aufmache, ertappe ich mich selbst schon, wie ich Ausschau halte nach neuen Abenteuern für den nächsten Tag meines Trainingslagers im Ötztal.

Das Ötztal umfasst knapp 1.600 km Wanderwege und Steige, die in bester Trailrunning-Manier in Angriff genommen und erkundet werden wollen. Daneben gibt es speziell ausgewiesene und beschilderte Trailrunning-Strecken für jedes Level über das gesamte Tal hinweg. Einige meiner Favoriten sind die Folgenden und warten darauf von euch erkundet zu werden.

Meine Top4 Lieblingstrails

  • Trail A (Mittel): Niederthai – Narrenkogel – Poschachkogel – Finstertaler Sennhütte – Klein-Horlach-Alm
  • Trail B (Schwer): Sölden (Gasthof Brückenwirt) – Brunnenkogelhaus – Timmelsjoch – Sölden
  • Trail C (Leicht): Oetz – Piburger See – Habichen – Oetz
  • Trail D (Anspruchsvoll): Obergurgl – Küppelehütte – Langtalereckhütte – Obergurgl
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Autor

Philipp Ausserhofer

Gastautor:in

Philipp Ausserhofer ist ausgebildeter Apotheker und passionierter Trailrunner. Seine Disziplin ist der Ultra-Distanzlauf, am liebsten in technisch schwierigem Gelände. Mit seinen jungen 29 Jahren gilt er als aufstrebender Nachwuchsathlet in seiner Disziplin und konnte u.a. mit dem Sieg beim Mozart100 (Ultra Trail World Tour), IATF oder Dolomiti Extreme international seine Klasse beweisen.