Ötztal Tourismus

„Reisen ist für die deutsche Bevölkerung ein Grundbedürfnis“

Jürgen Schmude

04.05.2020

Tourismusforscher Professor Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximillians-Universität München im Gespräch: Warum Nahreiseziele profitieren, welche Informationen Gäste sich jetzt erwarten und weshalb der Urlaub für deutsche Konsumenten weiterhin ein hohes Gut bleibt.

Erwarten Sie sich Chancen in einer Post-Corona-Zeit für Nahreiseziele wie das Ötztal? 

Wir werden verschiedene Phasen von der Corona-Zeit in die Post-Corona-Zeit durchlaufen. In der ersten Phase werden Nahreiseziele (insbesondere im eigenen Land) verstärkt nachgefragt werden. Erst allmählich werden sich die Einzugsbereiche der Destinationen wieder ausweiten.

Sind mit dem Auto leicht erreichbare Destinationen im Vorteil gegenüber Fernreisemärkten? 

Erdgebundene Reisen, unter anderem per Zug oder PKW erreichbar, werden in der ersten Phase verstärkt nachgefragt, da sie Nahreiseziele sind. Der Fernreisemarkt wird sich erst in der letzten Phase auf dem Weg in die Post-Corona-Zeit erholen und für lange Zeit nicht wieder die Bedeutung erlangen wie davor.

Welche Erwartungshaltung haben die Kunden? 

Die Urlauber wollen nach wie vor eine hohe Erlebnisqualität, die nun aber ganz bewusst mit dem Thema ‚Sicherheit‘ verknüpft wird, was vor Corona eine nicht thematisierte Selbstverständlichkeit war. Hier werden die Kunden in näherer Zukunft besonders ‚kritisch‘ sein und transparente sowie vertrauenswürdige Informationen erwarten.

Ist eine Form der Überkommunikation in Sachen Hygienemaßnahmen erwünscht?

Dies halte ich für nicht notwendig und das sollte auch insbesondere während des Aufenthaltes vermieden werden. Allerdings ist im Vorfeld der Reise, also während des Reise- bzw. Destinationswahlprozesses eine glaubwürdige, transparente und vollständige Information zu leisten.

In Zeiten des „Social Distancing“: Profitieren Unterkunftsarten wie Appartements, die eine gewisse Form des autarken Urlaubs erlauben, gegenüber anderen Kategorien bzw. werden diese stärker nachgefragt? 

Der Bereich der Parahotellerie hat gerade in der ersten Phase beim Übergang von der Corona- in die Post-Corona-Zeit Vorteile gegenüber insbesondere größeren Hotels, weil die Kontaktpotentiale geringer ausfallen. Hier ist die Hotellerie gefordert, Konzepte zur Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln vorzulegen, die den (potentiellen) Kunden das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Der aktuelle Konsumklimaindex in Deutschland von April 2020 weist einen markanten Rückgang auf. Demnach stellen die Verbraucher teure Anschaffungen wie Autos oder Möbel bewusst zurück. Wie beeinflusst das die Reiselust der Deutschen?

Da sich das Reisen mittlerweile zu einem Grundbedürfnis in der deutschen Bevölkerung entwickelt hat, wird eher in anderen Konsumbereichen gespart, als beim Urlaub. Denkbar ist jedoch, dass die Ausgaben je Reise reduziert werden, was aber von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Haushaltseinkommens abhängen wird.

 

„Die Urlauber wollen weiter eine hohe Erlebnisqualität, nun aber verknüpft mit dem Thema Sicherheit.“

 

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