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Infrastruktur & Orte

Zukunftsstrategie 2030

23.12.2020

Wie die Gemeinden Oetz und Sautens als Wirtschafts-, Kultur- und Lebensraum und der Tourismus als zentraler Wirtschaftsfaktor im Vorderen Ötztal mit Einbeziehung von Haiming- Ochsengarten die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen in den nächsten Jahren meistern und sich erfolgreich weiterentwickeln sollen, ist Zielsetzung der Zukunftsstrategie 2030.

Dabei sollen gemeinsam ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich nachhaltige Strategien und Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden. Herausforderungen sollen erkannt und Perspektiven auf eine positive Zukunft aufgezeigt werden. Nicht zuletzt gilt es, Mut für die Zukunft zu machen.

Die beiden Gemeinden sowie Ötztal Tourismus mit den Ortsausschüssen haben für die Begleitung und Umsetzung dieser Zukunftsstrategie Herrn Clemens Westreicher und seinen Netzwerkpartner, das Meinungsforschungsinstitut Triconsult, beauftragt.

Die aktive Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner, der Unternehmerinnen und Unternehmer, der Gäste und der Mitarbeitenden sowie der jungen Zukunftsgeneration ist dabei besonders wichtig.

Das Projekt Zukunftsstrategie 2030 gliedert sich in vier Phasen: Analyse, Strategieentwicklung und Maßnahmenplanung sowie Umsetzungsmonitoring. Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse jeder einzelnen Phase auch der Bevölkerung präsentiert werden. Durch COVID-19 sind wir leider gezwungen, die Ergebnisse der mittlerweile abgeschlossenen Analysephase mit dieser Postwurfsendung der interessierten Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen. Die Präsentationen der nächsten Schritte im kommenden Jahr sollten dann wieder im Rahmen von öffentlichen Publikumsveranstaltungen stattfinden können.

Gemeinde Oetz und Sautens im Winter

In der abgelaufenen Analysephase ging es vor allem darum, herauszufinden was die subjektiven Wahrnehmungen der einzelnen Interessensgruppen sind und was sie derzeit bewegt. Die Analyseergebnisse basieren auf

  • Befragungen von 240 Bewohnerinnen und Bewohnern von Oetz im März 2020 sowie 212 Bewohnerinnen und Bewohnern von Sautens im September 2020,
  • Befragungen von insgesamt 400 Gästen in Haiming- Ochsengarten, Sautens und Oetz im März und September 2020,
  • Befragungen von insgesamt 401 Mitarbeitenden aller vertretenen Branchen in Haiming-Ochsengarten, Sautens und Oetz, im März und September 2020,
  • sieben Workshops mit insgesamt 101 Teilnehmenden mit Vertretern der Oetzer Bauern, Privatvermietern und Hotellerie, Handel- und Dienstleistungsanbietern sowie der jungen Zukunftsgeneration und
  • weiteren allgemeinen Analysen von Zahlen, Daten und Fakten, unter anderem von Ötztal Tourismus, Landesstatistik Tirol sowie Statistik Austria.

 

Nachfolgend sind auszugsweise die wesentlichen Erkenntnisse der Analysephase angeführt.

 

Auszug Analyseergebnisse der Befragung der Bewohner in Sautens

  • Ein Drittel der Bevölkerung in Sautens sieht den Ort insgesamt auf dem richtigen Weg. Die größte Gruppe der Befragten sieht sowohl Licht als auch Schatten (40%).
  • Zufrieden sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Sautens mit den sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Pflegeinrichtungen in näherer Umgebung, der medizinischen Versorgung sowie dem Orts- und Landschaftsbild, den Einkaufsmöglichkeiten im Ort und im Umland sowie der Ver- und Entsorgung.
  • Das Angebot an Events, Kultur, Gastronomie, Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Freizeit neben Sport und Schlechtwetteralternativen wird deutlich bemängelt.
  • Die aktuelle Wohnsituation und das Angebot an erschwinglichen Mietwohnungen und Baugründen ist äußerst zufriedenstellend, wobei das Angebot an Baugründen eher knapper gesehen wird. Die Preise werden als angemessen angesehen. Gerade einmal 4% sind unzufrieden.
  • Die Sautnerinnen und Sautner können sich auch ein Mehr an Gästenächtigungen vorstellen.
  • Eher unbefriedigend werden die Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in Sautens gesehen.

 

Auszug Analyseergebnisse der Befragung der Bewohner in Oetz

  • Die allgemeine Richtung der Entwicklung im Ort wird je nach Wohn- und Arbeitssituation unterschiedlich gesehen. Insgesamt sehen 30% der Bevölkerung Oetz auf einem guten Weg ebenso 30% aber sind der Meinung, dass Oetz sich in die falsche Richtung bewegt.
  • Sehr zufrieden sind die Oetzerinnen und Oetzer mit den sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Pflegeinrichtungen, dem Orts- und Landschaftsbild, den Einkaufsmöglichkeiten im Ort und im Umland und dem medizinischen Angebot, der Ver- und Entsorgung, den Sportmöglichkeiten, der Gastronomie, der Kinderbetreuung, der Nähe zu größeren Städten und dem Angebot beim öffentlichen Verkehr.
  • Verbesserungswürdig gesehen werden die nicht sportlichen Freizeitmöglichkeiten und das Kultur- und Veranstaltungsangebot, vor allem als Schlechtwetter-Alternative und das Angebot für Jugendliche.
  • Vor allem aber das Angebot an Wohnungen, egal ob Miete oder Eigentum, und die Verfügbarkeit von Baugrund und das empfundene hohe Preisniveau werden häufig bemängelt, trotzdem sind gerade einmal 9% mit ihrer eigenen, aktuellen Wohnsituation unzufrieden.
  • Im Gegensatz zu den allgemeinen Lebensbedingungen in Oetz werden die Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten, vor allem für Frauen mit Kindern, für Jugendliche und für höher qualifizierte Arbeitskräfte von mehr als 20% eher mit schlechten Noten bewertet.

 

Die wichtigsten Aussagen aus den einzelnen Workshops mit Akteuren vor Ort

  • Bei den Vermietern werden die Gastfreundschaft und die Naturlandschaft als überwiegende touristische Stärken gesehen, dafür aber die fehlenden traditionellen Gasthäuser und das fehlende Angebot für Familien mit Kindern bei Schlechtwetter als Schwächen. Dem Gasthaussterben, der Klimaerwärmung und den ausländischen Investoren als Gefahren, stehen der Ausbau der Schlechtwetterinfrastruktur, die Jugend im Tourismus und die Natur und Ruhe als Chancen gegenüber.
  • Bei den Oetzer Bauern werden der Preis für ihre Produkte, die Akzeptanz der Bauern durch Anrainer, ihre eingeschränkten Rechte als Schwächen und der Flächenverlust, die Nachfolgeproblematik sowie der Klimawandel als Gefahren gesehen. Die Landschaftserhaltungsaufgabe, das positive Umfeld und der Stolz auf die Heimat werden als Stärken gesehen. In mehr Qualitätsbewusstsein, mehr Preisdurchsetzung und mehr regionalem Denken der Bevölkerung werden Potentiale gesehen.
  • Die Dienstleistungsanbieter und Veranstalter sehen die Stärken im naturnahen Outdoor- und Sportangebot sowie in einer starken Servicementalität. Das hat das Potential zur Markführerschaft im Outdoorbereich und für eine Stärkung der Vor- und Nachsaison. Fehlende Zukunftsstrategien, wenig Kooperationsbereitschaft und Innovationsgeist und der fehlende Rückhalt für den Tourismus in der Bevölkerung werden als Schwächen und Gefahren angesehen.
  • Die Vertreter der Hotellerie erachten die Familienstrukturen ihrer Unternehmen und das vielfältige Angebot als Stärken. Zudem wird großes Potential in der Vernetzung der Betriebe, in der Nachhaltigkeit des Angebots, bei den Mitarbeitern und im Aufbau einer Ganzjahresdestination gesehen. Die in manchen Bevölkerungskreisen fehlende Tourismusgesinnung, die schlechten Preise und die fehlende Ausrichtung auf klare Zielgruppen sind die wahrgenommenen Schwächen und Gefahren.
  • Die Tourismusakteure aus Ochsengarten sehen in der Schneesicherheit, der Lage direkt am Lift, den Familienbetrieben und der Kleinheit ihre Stärken, während die unattraktive Lage für Mitarbeiter, ein fehlendes (Lebensmittel-)Geschäft und andere örtliche Infrastruktur sowie die mangelnde verkehrstechnische Anbindung während Veranstaltungen in Hochoetz als Schwächen gesehen werden. Als Gefahren werden die Probleme in der Mitarbeiterfindung und in einem Zuwenig an Miteinander gesehen. In der Erweiterung und im Ausbau der touristischen Infrastruktur vor allem im Skigebietszusammenschluss werden Chancen für die Zukunft erkannt.
  • Verglichen mit anderen Regionen hat das Vordere Ötztal das Glück, dass die junge Nachfolge- Generation ein hohes Interesse daran zeigt, die touristischen Familienbetriebe zu übernehmen. Diese Zukunftsgeneration sieht im mangelnden Verständnis für den Tourismus, dem fehlenden Informationsaustausch, der schwachen Umsetzungskonsequenz und der Bürokratie die größten Hürden. Mit mehr Wertschöpfung für die touristischen Leistungen, mehr Kooperation zwischen den Akteuren, einem Verkehrskonzept für Oetz, einem möglichen Liftzusammenschluss und besserer Work-Life-Balance werden gute Zukunftschancen gesehen.
  • Die Jugend von Oetz bemängelt das Fehlen von Orten und Räumen zur Begegnung, die hohe Verkehrsbelastung und die Überfüllung von Naherholungsgebieten der Einheimischen durch Tagesgäste. Die Jugend hat unter anderen folgende Visionen: Oetz als Vorbild in der Energiepolitik, eine Mobilitätslösung (z.B. U-Bahn) von Ötztal Bahnhof bis Sölden sowie einen zentralen Platz für alle Sportarten, ein Lokal für Jugend- und Kulturveranstaltungen sowie ein lokaler Markt für lokale Produkte und Dienstleistungen.

 

Auszug Ergebnisse Analyse, Gästebefragung und Mitarbeiterbefragung in der Region

  • Der Großteil der Gäste ist mit dem Urlaub in der Region sehr zufrieden, vergibt die Höchstnote (März 77%, September 89%) und empfiehlt das Vordere Ötztal weiter (März 73%, September 92%).
  • Die Zahl der Übernachtungen ist zwischen dem Winter- und Sommerhalbjahr nahezu gleich.
  • Die Strukturen der Gäste sind im März und September deutlich unterschiedlich. In der Hochsaison dominieren die Familien, in den Randsaisonen die jüngeren Paare.
  • Das vorherrschende Motiv ist der Sport: Im Winter das Skifahren; im Sommer dominiert zudem die Erholung. Das Wandern gilt als Hauptattraktion, zudem werden Radfahren, E-Biken und Outdoor- Aktivitäten häufig als Motive genannt.
  • Im Vergleich zur Nächtigungsentwicklung in Tirol und dem gesamten Ötztal hatte das Vordere Ötztal in den vergangenen Jahren vor allem im Sommer ein geringeres Wachstum.
  • Der große Teil der Beschäftigten in den touristischen Betrieben stammt aus einem Umkreis von 10 km. Der Tourismus als Arbeitgeber wird überwiegend als attraktiv angesehen. Die touristischen Mitarbeiter sind mit ihrer Beschäftigung insgesamt sehr zufrieden und empfehlen zum Großteil ihren Kindern auch eine Ausbildung im Tourismus. Wünschenswert sind hingegen mehr Vergünstigungen für die Freizeitaktivitäten der Beschäftigten.
  • Die großen Herausforderungen für die nachhaltige Tourismusentwicklung liegen im demographischen Wandel in den Herkunftsmärkten und in der Veränderung des Konsum- und Freizeitverhaltens der Einheimischen und Gäste. Regionalität, Authentizität, ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Nachhaltigkeit, Gesundheit und Klimawandel sowie Digitalisierung sind in der Zukunft die bestimmenden Themen.

 

Allgemeine Aussagen der Bevölkerung und der Akteure zu wichtigen Zielen für die Strategie 2030

  • Den Bewohnerinnen und Bewohnern von Sautens und Oetz ist es für die weitere dörfliche Entwicklung gleichermaßen wichtig, dass mehr Gäste ohne Auto anreisen, die Betriebe als Familienbetriebe in heimischer Hand bleiben und der Ganzjahrestourismus und insbesondere der Sommertourismus ausgebaut wird.
  • Die Qualität und die Anzahl der Betten sollen mit einer ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung abgestimmt werden.
  • Die Themen Ansiedlung neuer Hotels, der Ausbau des Skigebiets Hochoetz samt Skigebietsverbindung zwischen Kühtai und Hochoetz, die Einbindung der Gäste in die Entwicklung des Vorderen Ötztals sowie weitere Attraktionen für die Gäste werden je nach Interessenslage unterschiedlich beurteilt.

 

Erarbeitung von Strategien und Maßnahmen für die Zukunft als nächster Schritt

Auf Basis dieser Analyseergebnisse und der allgemeinen gesellschaftlichen sowie touristischen Rahmenbedingungen und Trends, werden als nächste Schritte Leitlinien und Wirkungsziele gemeinsam erarbeitet und davon Strategien sowie Maßnahmen für deren Erreichung entwickelt. Dabei ist die aktive Mitarbeit interessierter Bürgerinnen und Bürger und der kritische Dialog mit der betroffenen Bevölkerung der Region sehr wichtig.