Sieben klassische Planungsfehler bei Tageswanderungen

Rein in die Wanderschuhe und los geht’s! Oder doch nicht? Nun, etwas Zeit solltest du schon in die Planung investieren, selbst bei eintägigen Wandertouren. Damit du bei deinen Streifzügen im Ötztal nicht einem der sieben klassischen Wanderfehler auf den Leim gehst.

Das ist keine taugliche Wanderstrategie. Daher solltest du dich vorab intensiv mit der Route auseinandersetzen. Wanderbücher, die Ötztal-Website und andere Online-Tourenportale (z. B. Outdooractive) leisten hier wertvolle Hilfe. Wichtig ist der genaue Routenverlauf, und dass Schwierigkeit und Länge zu deinem Können passen. Bitte beachte dabei nicht nur die Kilometer, sondern auch den Höhenunterschied, den es zu bewältigen gilt!

Zudem solltest du die aktuellen Bedingungen am Weg in Erfahrung bringen (z. B. über Tourenportale oder Hüttenwirte). So halten sich etwa Schneefelder am Berg sehr lange – auch im Sommer, wenn unten alle schon lange im Freibad herumplantschen. Resistente Schneefelder sind einer der Hauptauslöser für Unfälle beim Bergwandern, weil sie speziell morgens und abends hart und rutschig sind.

Den Wetterbericht vor lauter Wandermotivation umzuinterpretieren, ist keine gute Idee. Denn in den Bergen kann das Wetter sehr rasch umschlagen. Erst wenn die Wettervorhersage wirklich (!) zur Tour passt, solltest du starten – und den Himmel im Laufe des Tages weiterhin im Auge behalten. Ist das Wetter allzu schlecht, verschiebst du deine Wanderung lieber. Oder du wählst zumindest eine weniger anspruchsvolle Tour in niedrigeren Regionen.

Wer unterwegs auf Schutzhütten oder Almhütten einkehren möchte, sollte vorab klären (z. B. über die Ötztal-Website), ob sie überhaupt geöffnet haben. Denn viele hochalpine Schutzhütten bieten nur von ca. Anfang Juli bis Mitte/Ende September Speis und Trank. Speziell in der Vor- und Nachsaison (Frühsommer, Herbst) sind manche Hütten auch nur am Wochenende bewirtschaftet. In jedem Fall solltest du genügend Bargeld mitnehmen, denn Kartenzahlung ist auf vielen Hütten nicht möglich.

Ausrüstungstipps zum Wandern gibt es im Internet wie Steine am Berg. Daher hier nur das Wesentliche: Entscheidend ist zweckmäßiges, funktionelles Equipment zu verwenden.

  • Atmungsaktive, schnell trocknende, leichte Funktionskleidung in mehreren Schichten („Zwiebelprinzip“). Auch Warmes und Winddichtes darf nie fehlen (inkl. Haube und Handschuhe). Oben auf den Bergen ist es kälter als man denken würde, auch im Sommer! Zudem brauchst du Regen- und Sonnenschutz – also z. B. Kappe und Sonnencreme, wegen der hohen UV-Strahlung im Gebirge.
  • Teleskop-Wanderstöcke entlasten Beinmuskeln und -gelenke. Zudem leisten sie wertvolle Dienste beim Überqueren von rutschigen Schneefeldern und wackeligen Blockhalden. Allerdings sollte man den Umgang mit ihnen gewohnt sein. Immer zwei Stöcke verwenden!
  • Für Notfälle dabei sein sollten auch Biwaksack (zumindest bei hochalpinen Wanderungen) und Erste-Hilfe-Paket (inklusive persönlicher Medikamente und Blasenpflaster). Entscheidend: Mit den Erste-Hilfe-Materialien solltest du auch umgehen können.

Wanderschuhe können dein bester Freund sein, aber auch ein gnadenloser Folterknecht. Nämlich dann, wenn sie nicht wirklich passen oder komplett neu sind. Dann drohen schmerzhafte Druckstellen oder Blasen. Daher die Schuhe schon zu Hause auf kleinen Touren „eingehen“!

Je schroffer und steiniger das Gelände, desto stabiler muss der Schuh sein. Auf einfachen Wegen in Talnähe (z. B. Forststraßen) sind steife Sohlen hingegen nicht so gut, weil sie weniger geschmeidig abrollen. Dort darf der Wanderschuh etwas dünner bzw. weicher sein.

Elektronische Hilfsmittel haben die Planung und Durchführung von Wanderungen viel einfacher gemacht. Deshalb wird man vor der Tour

  • die gängigen Notrufnummern im Smartphone abspeichern (Euro-Notruf: 112, Bergrettung: 140);
  • detaillierte Routenbeschreibungen samt Landkarten und GPS-Tracks (= elektronischer Routenverlauf) offline am Handy abspeichern. So kannst du am Berg auch dann darauf zurückgreifen, wenn du keine Internetverbindung hast. Und das wird oft sein.

Andererseits solltest du dich nicht blind auf die Technik verlassen. Denn erstens weiß auch ein Navigationsgerät nicht alles. Und zweitens ist der Handy-Akku schneller leer, als einem lieb ist. Deshalb sollte auch immer eine gedruckte Landkarte mit im Gepäck sein.

Zeitangaben sind immer subjektiv – egal ob in Wanderbüchern, auf Wegweisern oder in Internet-Tourenportalen. Denn möglicherweise war derjenige, von dem sie stammen, fitter als du. Daher sollte man immer Zeitreserven einplanen. Ein früher Start am Morgen hilft hier meist schon sehr viel. So hat man normalerweise genügend Zeitpuffer. Und man entgeht auch eher den häufigen Wärmegewittern in den Bergen, die vorwiegend am Nachmittag auftreten.

Übrigens: In Tourenbeschreibungen oder auf Wegweisern wird normalerweise die reine Gehzeit angeführt – also ohne Pausen.

Nun aber ab auf die Ötztaler Wanderwege! Sind die „Hausaufgaben“ gemacht, kann es mit gutem Gewissen in die Natur gehen. Und solltest du dir eine eigenständige Wanderplanung noch nicht zutrauen, dann schließt du dich einfach einer geführten Wanderung an.

Autor

Uwe Grinzinger

Gastautor:in

Der Bergfotograf, -journalist und Wanderführer-Ausbilder ist am liebsten in den stillen Winkeln der Alpen unterwegs. Rund ums Ötztal hat er also genug zu tun.